Die Tage der Unternehmenssammlungen in Hessen sind vorbei. Für uns ein schönes, interessantes Wochenende, da wir in diesem Jahr mehr Besucher hatten, als in den vorangegangenen Jahren. Auch in diesem Jahr zum erstenmal: Wir haben Live gebloggt. Was heißt, daß wir am Samstag und Sonntag, während der Veranstaltung begleitende Texte zu den Künstlerischen Arbeiten onine gestellt haben. Zusätzlich weitere Blogeinträge und Photos bei Flickr eingestellt haben.
Am Samstag und am Sonntag haben wir in vier Führungen unsere Besucher durch unsere Büroräume geführt. Teilweise in Gruppen mit bis zu 27 Teilnehmern (+ ein Vierbeiner). Nun gilt es Hessenweit die Besucherzahlen zu erfassen. Die Abfrage läuft über das Ministerium in Wiesbaden. Welche Relevanz haben nun Besucherzahlen unseres Blogs an diesen zwei Tagen? Unsere Abrufe der Photos auf Flickr?
Wir haben bei einfallsreich ca. die gleiche Anzahl an lebendigen Besuchern gehabt, wie Besucher des einfallsreich.net Blogs am Samstag und Sonntag, in Bezug auf die Einträge zur laufenden Veranstaltung. Wir hatten ca. doppelt so viele Abrufe der Flickr Photos. 8% der Besucher sind direkt durch unsere Netzwerkarbeit (Xing/Matchmaker Abende Mainz) zu uns gekommen. D. h. das Mehr an Besuchern in diesem Jahr kommt zu 100% aus dieser Gruppe. D. h. auch networking in Social Communities hat zu lebendigen Besuchen geführt. Umgekehrt hat das Veranstaltungswochenende wiederum zu neuen Vernetzungen der Kontakte z. B. in Xing geführt. Der vollständigkeitshalber noch: 80% der Anmeldungen sind online über unser Anmeldetool eingegangen.
Nun sitze ich hier mit meinen Zahlen und in Anknüpfung an die Überlegungen von Karin Janner und Christian Henner-Fehr, ringe ich um eine Beurteilung. Gefragt sind offiziell nur die lebendigen Besucher. Dies wird auch die Bemessunggrundlage sein für Erfolg oder Mißerfolg der hessenweiten Veranstaltung. Dennoch, was haben wir: Wir haben Gespräche geführt, wir haben neue Zuschauer (einfallsreich.tv) und neue Leser gewonnen (einfallsreich.net), die sich für unsere Arbeit interessieren. Und wir haben Menschen, die unsere Aktivität im Blick hatten. Deren Gedanken und Wahrnehmung zeitgleich mit der Veranstaltung um uns kreisten. Medial vermittelt durch Text und Photo. Es erweitert den Kreis. Hermeneutisch zwar, aber wer weiß. In jedem Fall andere Menschen, als die die körperlich anwesend waren. Menschen die ohne unser bloggen auch nicht gekommen wären, aber auch keine Chance dazu gehabt hätten. Deshalb ist Social Networking für Kulturangebote als eine Chance zu sehen. Mehr vielleicht ersteinmal nicht.
Der Frage "Chancen zu nutzen", muß sich jedes Kulturangebot, jede Kulturinstitution stellen. Es ist nicht konstruktiv diese Frage des Engagements in Social Communities mit Fragen nach dem mehr an Besuchern, mehr an Sponsoren, mehr an Freundeskreismitgliedern direkt beantworten zu wollen. Es ist der Humus, aus dem mehr Besucher entstehen können. Es ist vor allem aber eine strukturell ganz andere Vorgehensweise. Eine Kulturinstitution lebt eventuell heute auch anders, als in Jahren ohne Internetperzeption. Freundeskreise wurden als adäquates Bindemittel gesehen. Warum nicht auch Social Communities heute? In Gesprächen mit Kulturinstitutionen entsteht immer der Eindruck, als das es dort sehr sachlich und zielgerichtet zugehen würde. Also jede Maßnahme muß mehr Besucher, mehr Geld bringen. Alles andere wird als Luxus oder unnötig oder eben nicht direkt zielgerichtet gesehen. Es ist also eher der Geist, der im Hause weht. Ist es ein Hauch, der eher miefig daher kommt oder ist es Aufbruchstimmung, die sich über jede Chance freut?
Kommentare (3)
irgendwie finde ich auf Eurer Website kein Link zu den Einträgen Eures Live-Blogs zu Kunst Privat am vergangenen Wochenende (von den Fotolinks mal abgesehen). Das hört sich sehr spannend an und ich würde es mir gerne anschauen. Kannst Du mir helfen?
Danke und beste Grüße aus der Hauptstadt nach Wiesbaden,
Jennifer. “
Ist unser Austausch über Blogs hinweg auch schon ein "Erfolg"? Und was ist, wenn Dein Blog in diversen Blogrolls auftaucht? Wenn schon Zahlen, dann aber auch alle Zahlen.
Dein Bild mit dem Humus gefällt mir recht gut, obwohl es auch wieder gefährlich ist. Das bedeutet, die BlogbesucherInnen sind keine "richtigen" BesucherInnen, weil sie nicht vor Ort präsent sind. Was aber ist mit der "Qualität" der Auseinandersetzung? Vielleicht setzen sich BlogbesucherInnen viel intensiver mit dem, was Ihr macht, auseinander als diejenigen vor Ort.
Da würde dann die Qualität der Beziehung im Vordergrund stehen, was natürlich nicht zielgerichtet wirkt und keine direkten Geldflüsse auslöst.
Aber das simple Prinzip, A spricht B an, B nimmt eine Leistung von A in Anspruch und zahlt dafür, funktioniert schon lange nicht mehr. Höchstens auf irgendwelchen Formularen... “