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Helmut Reitze spricht einfallsreich aus dem Munde Burkhard Rosskothen 11.06.2008 Kommentare

Neue Studie zur Internet Nutzung

"Neben[...] linearen Programmen in Radio und Fernsehen spielen Audios und Videos auf Abruf im Internet eine immer größere Rolle. Wir verfügen über hochwertige Inhalte, die wir unserem Publikum auch in Zukunft zeitunabhängig und mit einer Fülle von Zusatzinformationen bereitstellen können." (Helmut Reitze zur aktuellen Studie von ARD und ZDF zur Internet Nutzung.)

Nein, Helmut Reitze, Intendant des Hessischen Rundfunks, wurde nicht von uns verpflichtet. Weder als Intendant von einfallsreich.tv, noch dafür, diese Worte auszusprechen. Er tat es freiwillig. Oder besser: So freiwillig, wie die Realität jemanden einholen kann. Und natürlich hatte er dabei nicht das hochwertige Angebot von einfallsreich.tv im Kopf, sondern strategische Argumentationshilfe in der Diskussion, ob die ÖR ihr Internetangebot maximal ausbauen und betreiben dürfen.

Die eigene Mediathek dafür heranzuziehen, ist natürlich mit eingeschränkter Sicht geschehen: Denn da ist ja nur der Abruf gemeint, der online stattfinden muß. Download und offline Abruf ist da für das ZDF Mediathekangebot doch noch eine Nummer zu anarchistisch. In jeder Ecke der gesprochenen Sätze tauchen wieder die alten Argumentationshilfen auf, die in der einfachen Gleichung enden: öffentlich-rechtliches Angebot=hochwertiger Inhalt vs. privatwirtschaftliches Angebot=kultureller Verfall der Sitten.

Nun nehmen wir uns doch alle mal eine Programmzeitschrift in die Hand. Was lesen wir da im Programmangebot von ARD und ZDF: z. B. eine Musical Castingsendung. Etwas irritiert denke ich: Gab es das nicht auch bei den Privaten? Identische Sendung, gleiches Muster? Eines der beiden Formate habe ich bezahlt. Danke ZDF! Die Liste der nachgeeiferten Privatsenderformate ließe sich hier einfach weiterfortführen. Nehmen wir das Fernsehangebot von Herrn Reitze: Kann sich jemand an eine hochwertige HR Sendung erinnern? Was wird da im Regionalfernsehen getrieben? Kochsendungen mit Michaela Scherenberg. Trotz großem Apparat mit Aufnahmeleitung ist es nicht möglich die Sendung oder vielmehr das Gegarte auf den Punkt zu bringen, geschweige denn auf Punkt zu garen. Somit ist dann leider die Sendung zu Ende, und wir haben außer einem verbrantem Braten keine Zeit mehr für das angekündigte Dessert. Ja, ich weiß, was ihr jetzt sagen werdet: Ich gebe zu, ich habe die Sendung angeschaut.

Zurück zur Studie: 42,7 Millionen Bundesbürger ab 14 Jahren (65,8 Prozent) nutzen das Netz, damit rund zwei Millionen mehr als im Jahr davor. 55 Prozent davon (2007: 45 Prozent) rufen Videos ab. Gestiegen ist auch die Zahl der DSL-Nutzer auf 70 Prozent (2007: 59 Prozent). Interessant ist auch, dass im Jahre 2007 zum ersten Mal mehr Surfer über 60 im Internet unterwegs waren, im Vergleich zu Jugendlichen unter 20 Jahren. Damit ist die Attraktivität von Video gegenüber anderen Medien wiederum belegt.

Das bedeutet für die Zukunft der TV-Wertschöpfungskette, dass der Konsument mehr Einfluss auf den Content ausübt, der ihn interessiert. Das wiederum bedeutet, dass Aggregatoren wie klassische TV-Sender an Bedeutung verlieren werden. Der Einfluss auf die Zusammenstellung der TV Inhalte durch den Zuschauer steigt. Die Vermarktungsfunktion der TV-Sender verlagert sich in Richtung des Konsumenten. Und damit "ist eine Umverteilung zumindest von einem Teil der Werbeumsätze denkbar, den Fernsehsender an Produzenten (nach hinten in der Wertschöpfungskette) und Distributoren (Web-TV- und IPTV-Anbieter, nach vorne) abgeben müssen" (Auszug aus der Studie IPTV Das neue Fernsehen?, PricewaterhouseCoopers, März 2008, Seite 28).

Ich rede hier von Videocontent, wohlgemerkt. Nicht von Videowerbeclips. Die Unzufriedenheit über Werbeunterbrechung ist nachhaltig hoch, der Bedarf nach hochwertigem Videocontent ein Zukunftsprojekt. Dass sich privatwirtschaftlich produzierter Content mit hochwertigen Inhalten deckt ,versuchen wir mit einfallsreich.tv seit Beginn dieses Projektes zu belegen. Kunstgespräche, nach dem Prinzip der Achtsamkeit ausgerichtet, Beiträge bei bwzf mit Thordis Howe zu Fragen einer zeitgerechten Mobilität, Medienpartnerschaften mit BioFrankfurt zu Fragen der Naturvielfalt und viele Beiträge mehr, behandeln Sujets, die die Kommunikation in der sich ständig wandelnden Gesellschaft fördern sollen.

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