ZukunftKunstInternet

Sinnliche Welt vs. web2.0 Burkhard Rosskothen 11.06.2008 Kommentare

Die ewige Angst der Kulturschaffenden vor dem Internet

Ich würde auch lieber hinter einer Scheune im Gras liegen. Aber dort hätte ich dann auch ab und zu gerne WLan. Und dann würde ich, ohne von der Wiese aufzustehen mal kurz den Kontakt mit einem Freund im Ausland pflegen. Natürlich nicht direkt - er ist ja im Ausland, aber besser ein paar Worte über Twitter gesandt, als garnix. Er hat mich übrigens eingeladen. Was heißt, daß wir uns persönlich treffen werden. Der Austausch über das Web war also nicht Ersatz für unser persönliches Treffen, sondern Vehikel dies zustande zu bringen.

Beispiel Theater: Wer kennt das nicht. Theater macht Geschichten sinnlich. Es ist beeindruckend zu sehen, wie unsichtbare Dinge durch Körper und Sprache erlebbar gemacht werden. Erlebbar? Moment. Das war doch nur Schein auf der Bühne. Betrug an der Realität? Wurden meine Sinne reingelegt? Illusion oder könnte ich nicht auch sagen: Virtuelle Welten, die mir da präsentiert werden? Ist eine gefühlte Welt die Realität? Sind erlebte Gefühle bei einem Computerspiel Realität?

Die Lösung beider Welten - also der Theaterwelt (Illusion) und der Internetwelt (web2.0) liegt doch in dem "bewältigen können". Auch erlebtes Theater wird meine Probleme nicht vom Tisch wischen. Grundsätzlich gilt: ich muß mein Leben aktiv gestalten. Der Künstler Felix Droese sagte in einem Gespräch zu mir: Die Welt beobachten und an dem einen und anderen Ort eingreifen.

So und das alles könnte ich natürlich auch meinen Mitmenschen persönlich erzählen.Dennoch schreibe ich das hier. Schön. Dann kann auch die Karin mitlesen, der Andrew, die Luise, der Christian und viele mehr. Ist doch schön, oder? Aber das wird nicht das Sitzen in einem schönen Garten ersetzen. Soll es auch nicht. Und ich habe auch keine Angst, daß das Internet diesen Garten ersetzen wird.

Auch Theaterleute müssen beides bedenken. Die unterschwellige Angst überwinden, daß das Eine, das Andere substituiert. Das Internet will nicht erobern, es soll uns dienen, besser in Kontakt zu kommen - weltweit.

Kommentare (2)

  • Christian am 14.06.2008 um 20:19:44 Uhr
    Ich war gerade am Überlegen, inwieweit das Thema "Spiel im Spiel" hier von Bedeutung sein könnte. In diesem Zusammenhang habe ich gemerkt, dass mir nicht klar ist, was Du mit "bewältigen können" meinst. Zielst Du da auf das "mein Leben aktiv gestalten" ab?
  • burkhard am 15.06.2008 um 20:35:47 Uhr
    Illusion und web2.0 "bewältigen" können meint, zu wissen, wann Illusion eine Illusion ist und zu wissen, wann etwas im Internet oder im Garten stattfindet. Z. B. zu wissen, was eine Fernsehrealität ist. Meint: eine Zeichentrickfigur steht nach dem Schlag auf, ein Mensch evtl. nicht mehr.
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